Hochsee-Regelwerke

IMO – SOLAS – MARPOL

und was dazu gehört

Transportierte Menge 2024

Gesamte Seefracht

12.500.000.000 t

Gefahrgut Sefracht

4.000.000.000 t

Passagiere

5.000.000.000

Es handelt sich um vorläufige Zahlen, gerundet

SOLAS geht auf den Untergang der Titanic 1912 zurück, der den internationalen Ruf nach einheitlichen Sicherheitsstandards für die Seeschifffahrt auslöste. Die erste Fassung von 1914 trat kriegsbedingt kaum in Kraft; überarbeitete Übereinkommen folgten 1929 und 1948. 1960 erschien die erste moderne Fassung unter der Schirmherrschaft der späteren Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Den heutigen Rahmen bildet SOLAS 1974, das dank des stillschweigenden Annahmeverfahrens laufend aktualisiert werden kann und seit 1980 gilt. Seither wurden zentrale Elemente wie das weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS, der ISM‑Code für sicheres Schiffsbetriebssystem-Management und nach 2001 der ISPS‑Code für Gefahrenabwehr ergänzt; zudem wurden fachliche Codes wie IMDG, IMSBC, IBC und IGC über SOLAS verbindlich verknüpft. SOLAS ist damit das globale Kernregelwerk, das Bau, Ausrüstung und Betrieb von Handelsschiffen auf See fortlaufend an den Stand von Technik, Risiken und Praxis anpasst.

IMO & SOLAS: Grundpfeiler des sicheren Gefahrguttransports auf den Weltmeeren

International Maritime Organization (IMO)

Die International Maritime Organization (IMO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die 1948 gegründet wurde, um einheitliche Regeln für die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Seeschifffahrt zu entwickeln. Zentrales Übereinkommen ist SOLAS (International Convention for the Safety of Life at Sea), das Mindeststandards für Bau, Ausrüstung und Betrieb von Schiffen festlegt und durch ein laufendes Änderungsverfahren regelmässig aktualisiert wird.
Für den Gefahrguttransport auf See ist insbesondere SOLAS Kapitel VII massgeblich. Es erklärt den IMDG-Code als verbindlich, der die internationalen Standards für Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung und Etikettierung, Dokumentation, Stauung, Trennung und Notfallmassnahmen für gefährliche Güter in verpackter Form festlegt. Ergänzend verknüpft SOLAS weitere Fachcodes für Schütt- und Flüssiggüter, darunter den IMSBC-Code für feste Massengüter, den IBC-Code für Chemikalientanker und den IGC-Code für Gastanker. Diese Regelwerke bilden die rechtlich bindende Grundlage, die von den Vertragsstaaten in nationales Recht umgesetzt und durch Flaggen- und Hafenstaatkontrollen durchgesetzt wird.
Der IMDG-Code enthält neben technischen Vorgaben auch detaillierte Schulungsanforderungen für alle am Transport Beteiligten und verweist auf EmS- und MFAG-Leitfäden für den Notfall. Er wird in der Regel zweijährlich an neue wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Entwicklungen und Erfahrungen aus der Praxis angepasst. Die Einhaltung von SOLAS und der verknüpften Codes ist für Staaten, Reeder und Operateure eine völkerrechtliche Pflicht und die Basis für einen sicheren, effizienten und umweltverträglichen Seetransport gefährlicher Güter.

MARPOL IMO IMDG Code

MARPOL ist das internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe, 1973 angenommen und 1978 durch ein Protokoll ergänzt (MARPOL 73/78). Es zielt darauf ab, betriebliche und zufällige Einleitungen sowie Luftemissionen zu verhindern oder zu begrenzen und gilt für die Handelsschifffahrt weltweit.

Das Übereinkommen besteht aus sechs Anhängen: Anhang I regelt Öl und Ölgemisch-Verbote, Ausrüstung wie Oily Water Separator und Öleintragsbuch; Anhang II betrifft Noxious Liquid Substances in loser Schüttung; Anhang III behandelt schädliche Stoffe in verpackter Form, harmonisiert mit dem IMDG-Code; Anhang IV regelt die Einleitung von Abwasser; Anhang V verbietet oder beschränkt die Einleitung von Müll; Anhang VI setzt Grenzwerte für Luftschadstoffe, definiert Emission Control Areas und schreibt den globalen 0,50%-Schwefelgrenzwert (seit 2020) sowie 0,10% in ECAs vor. Ergänzend enthält Anhang VI Vorgaben zu NOx-Stufen, Energieeffizienz (EEDI/EEXI) und dem betrieblichen Carbon Intensity Indicator (CII).

Durchsetzung erfolgt über Flaggen- und Hafenstaatkontrollen, Klassifikationsgesellschaften, Zertifikate und Inspektionen. Technische Massnahmen, Betriebsverfahren, Schulungen und elektronische Aufzeichnungen bilden die praktische Grundlage. MARPOL reduziert die Umweltbelastung der Schifffahrt und unterstützt sichere, effiziente und klimaverträglichere Seeverkehre.

Weiter Regelwerke und ihre Anwendung

Für Containerschiffe:

  • IMDG-Code:
    weltweit verbindlich über SOLAS Kap. VII Teil A; Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung, Stauung, Trennung, Dokumentation, Notfallkarten (EmS, MFAG).
  • CSS-Code + Cargo Securing Manual (CSM):
    Ladungssicherung; CSM an Bord nach SOLAS VI.
  • CTU-Code:
    Packen/Sichern in Containern/Wechselbrücken (Hafen/Vorlauf), industrieweiter Standard.

Für Massengutschiffe (Schüttgüter):

  • IMSBC-Code:
    feste Massengüter inkl. gefährliche; verbindlich über SOLAS Kap. VI/Reg. 2.

  • IG-Code (International Grain Code):
    spezieller Code für Getreide-Stauung/Stabilität.

Für Tankschiffe (flüssige/gasförmige Gefahrgüter):

  • IBC-Code:
    chemische Tanker und Noxious Liquid Substances (NLS);
    verbindlich über SOLAS Kap. VII Teil B sowie MARPOL Anhang II.

  • IGC-Code: Gas-/LNG-/LPG-Tanker; verbindlich über SOLAS Kap. VII Teil C.
    - MARPOL Anhang I: Öl/Ölprodukte (Öltanker-Betrieb, Ausrüstung).
    - MARPOL Anhang II: NLS in loser Schüttung (Chemikalientanker).

Umwelt- und Zusatzregelungen (Gefahrgut-Bezug):

  • MARPOL Anhang III: schädliche Stoffe in verpackter Form (harmonisiert mit IMDG).

  • MARPOL Anhang VI: Luftemissionen (u. a. für Tanker/IGC relevant).

  • INF Code: Beförderung bestrahlter Kernbrennstoffe/hochradioaktiver Abfälle.

  • CSC-Übereinkommen: sichere Container (Bau/Prüfung), relevant für IMDG-Container.

  • Load Lines/ Klassifikationsregeln: Stabilität/Struktur als Sicherheitsbasis